Bio-Frischeprodukte aus zertifiziertem Anbau, ein deutsch-chinesisches Gründerpaar und eine Handelsbeziehung, die älter ist als die eigentliche Firma: Die Jiahe Food GmbH aus Erkelenz zeigt, wie sich im Agrarhandel über Jahre eine belastbare Partnerschaft zwischen China und Deutschland entwickeln lässt.
Mitgründerin Jenny Zhang erklärt im Gespräch, wie aus einer losen Handelsbeziehung ein festes Joint Venture wurde und worauf es bei der Zusammenarbeit ankommt (English version here).
Zuvor lohnt jedoch ein Blick auf den Markt, in dem sich das Unternehmen bewegt.
Dynamischer Bio-Frischemarkt in Deutschland
Der deutsche Biomarkt hat 2025 einen neuen Rekord aufgestellt: Der Gesamtumsatz mit Bio-Lebensmitteln stieg um fast sieben Prozent auf 18,23 Milliarden Euro.
Auch im Frischesegment – also bei Obst, Gemüse, Milch- und Fleischprodukten – zeigte sich die Nachfrage robust: Allein in den ersten zehn Monaten des Jahres wuchsen die Umsätze mit Bio-Frischeprodukten, getrieben vor allem vom Lebensmitteleinzelhandel.
Die Anbauflächen für Bio-Produkte in Deutschland wachsen dabei nur langsam und können mit der steigenden Nachfrage kaum Schritt halten – ein Umstand, der Importeure mit verlässlichen, zertifizierten Lieferketten aus dem Ausland zunehmend wichtiger macht.
Jiahe Food GmbH im Überblick
Die Jiahe Food GmbH wurde am 1. August 2019 in Erkelenz gegründet, von Jenny (Min) Zhang gemeinsam mit dem Agraringenieur Ralf Settels – zwei Partnern, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit über einem Jahrzehnt geschäftlich zusammenarbeiteten.
Das deutsche Unternehmen arbeitet eng mit seinem langjährigen Liefer- und Geschäftspartner, der chinesischen Weifang Jiahe Food Co., Ltd., zusammen: In den Regionen Shandong und Guangxi bewirtschaftet der Betrieb rund 150 Hektar Land und exportiert jährlich etwa 6.000 Tonnen Ingwer von zertifizierten Vertragsanbauflächen.
Das Sortiment von Jiahe Food geht dabei längst über Ingwer hinaus: Neben Ingwer aus China und Peru führt das Unternehmen heute auch Kurkuma aus Peru, Süßkartoffeln, Zitronen, Orangen, Pomelos und Avocados – durchgängig in Bio-Qualität.
Die deutsche Einheit übernimmt Vertrieb und Marktbetreuung in Europa, unter anderem in Deutschland, den Niederlanden und Belgien.
Von der Ingwer-Wurzel bis ins deutsche Ladenregal
Der Ursprung des Geschäfts liegt deutlich vor der Gründung der GmbH: Bereits in den späten 1990er Jahren begann das bis heute wichtige chinesische Partnerunternehmen, Ingwer zunächst nach Japan zu exportieren. Der Schritt nach Europa folgte einige Jahre später, zunächst über klassische Handelsbeziehungen mit Einzelhandelsketten.
Mit steigender Nachfrage und wachsendem Vertrauen der europäischen Abnehmer entwickelte sich daraus über die Jahre eine engere, direktere Zusammenarbeit – bis schließlich mit der Gründung von Jiahe Food GmbH ein eigener Standort in Deutschland entstand,
Über den Anbau, Zertifizierung und Vertrieb konnten die Kooperationen noch enger miteinander verzahnt werden. Mit der Zeit erweiterte Jiahe Food sein ursprünglich auf Ingwer fokussiertes Geschäft gezielt um weitere Bio-Frischeprodukte wie Kurkuma, Zitrusfrüchte, Süßkartoffeln und Avocados.
Interview mit Jenny Zhang, Mitgründerin der Jiahe Food GmbH
Mitgründerin Jenny Zhang erklärt im Gespräch, wie aus einer losen Handelsbeziehung ein festes Joint Venture wurde und worauf es bei der Zusammenarbeit ankommt.
Wie kam es zu dem deutsch-chinesischen Joint Venture?
„Ralf Settels und ich kannten uns aus dem Ingwerhandel, lange bevor es die GmbH überhaupt gab. Wir haben zunächst als Handelspartner zusammengearbeitet, und aus dieser Zeit ist mit den Jahren echtes Vertrauen entstanden.
Die Gründung von Jiahe Food war dann eigentlich nur der logische nächste Schritt: Wir haben einen eigenen, direkten Vertriebskanal nach Europa aufgebaut. Damit schaffen wir eine transparentere Lieferkette vom Anbau bis zum Kunden – was gerade bei Frischwaren von entscheidender Bedeutung ist.“
Was ist das Geheimnis hinter dem funktionierenden Geschäftsmodell?
„An erster Stelle steht bei uns Lebensmittelsicherheit, das ist bei uns kein Lippenbekenntnis. Alle unsere Vertragsbetriebe sind zertifiziert, Flächen und Erntemengen sind lückenlos dokumentiert.
Dazu kommt, dass wir uns konsequent an europäische Vorgaben und Umweltstandards halten, auch dort, wo es niemand von uns verlangen würde.
Und dann ist da noch die schlichte Verlässlichkeit: Wir beliefern unsere Handelspartner in Deutschland, den Niederlanden und Belgien seit Jahren ohne Unterbrechung.“
Welche Tipps haben Sie für die deutsch-chinesische Firmenpartnersuche?
„Ich würde jedem raten, nicht auf den schnellsten Vertragsabschluss zu schauen, sondern auf gemeinsame Werte.
Man braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen, um wirklich transparent miteinander zu kommunizieren und die Geschäftskultur der anderen Seite zu verstehen. Unser Vorteil ist, dass sich viele unserer Produkte in Europa nicht ohne Weiteres nachbauen lassen – aber genau das verpflichtet uns auch, langfristig zu denken statt kurzfristig zu profitieren.
Bei Ralf Settels und mir hat sich das über eine Zusammenarbeit bewährt, die mittlerweile weit über zehn Jahre zurückreicht.“
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Zhang!
Jiahe Food: deutsch-chinesischer Erfolg im Fazit
Zertifizierte Anbauflächen, eine über ein Jahrzehnt gewachsene Partnerschaft und ein Sortiment, das sich vom reinen Ingwerhandel zu einem breiter aufgestellten Bio-Frischeimport entwickelt hat: Jiahe Food GmbH steht für einen Geschäftsansatz, der auf Kontinuität statt auf schnelles Wachstum setzt.
Angesichts des wachsenden Wettbewerbs auf dem europäischen Markt investiert die Unternehmensgruppe weiter in ihre Lokalisierung in Deutschland. Geplant ist der Ausbau der lokalen Verarbeitung, Logistik und Lieferkapazitäten.
Dies verdeutlicht: Selbst ein etabliertes Geschäftsmodell entwickelt sich kontinuierlich weiter, um die eigene Marktposition zu festigen.
Bildquelle: Privatarchiv